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Ausstellung zum 100. Geburtstag von Berta Hummel (1909-1946) vom 29. Mai bis 2. August 2009 im Museum Obermünster, Emmeramsplatz 1

Kreuzwege Berta Hummel

Die Franziskanerin Schwester M. Innocentia wurde als Berta Hummel 1909 im niederbayerischen Massing geboren. Ihre Kunst und ihre Erlebniswelt, das waren mehr als die Zeichnungen, die dann Vorlagen für die weltberühmten Hummelfiguren wurden. Zu ihrem Lebenswerk gehören sensible Naturstudien, robust-humorvolle Karikaturen und eindringliche Porträts. Die Ausstellung im Museum Obermünster zeigte in einer Auswahl ihrer Werke den expressionistischen Kreuzweg-Zyklus aus Kloster Sießen sowie zahlreiche Aquarelle und Kohlezeichnungen in der Entwicklung ihres Schaffens.

Unter dem Thema „Kreuzwege“ standen auch die Arbeiten von zwei zeitgenössischen Künstlern - des Regensburger Malers Peter Wittmann sowie des Münchner Bildhauers Johannes Potzler.

 

Am 21. Mai 1909 wurde die Kaufmannstochter Berta Hummel in Massing geboren. Bald nahmen ihre Lehrer ihr bildnerisches Talent wahr. Es erwies sich bis zu ihrem frühen Tod im Alter von 37 Jahren als vielfältig und unerschöpflich. Sie zählt zu den bedeutendsten Malerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Süddeutschland. Ebenso wie die Kunst gehörte ihr tiefer Glaube zu Berta Hummel. Als 21-jährige trat sie nach einem Studium in München an der Staatsschule für angewandte Kunst in das Kloster Sießen ein.

Die vielbeschäftigte Schwester erhielt zahlreiche Aufträge für Andachtsbildchen, Altargemälde und die beliebten heiteren Kinderbilder. 1934/35 begann die Porzellanfabrik Goebel mit der Produktion der „Hummel-Figuren“. Im Lauf der Zeit entstanden über 400 Figuren und Figurengruppen von niedlicher Naivität, „Berta Hummel“ war zum Markenzeichen geworden, mit einer großen Fangemeinde nicht nur in Europa, sondern auch in den USA.
Die Vielschichtigkeit ihres Charakters wurde lange Zeit nicht wahrgenommen. Erst die Betrachtung ihres künstlerischen Lebenswerks lässt die verschiedenen Facetten ihrer reichen Persönlichkeit ahnen. Feinheit und sensibles Gefühl für die Natur bei den Blumenstudien, robuster Humor bei den Karikaturen, liebevolle Anteilnahme bei den Kinderbildern, ein wacher Sinn für das besondere Detail bei den Straßenszenen und Landschaften.

Künstlerisches Selbstbewusstsein und Entschlossenheit äußern sich im energischen Strich der Kohlezeichnungen wie in der freien Behandlung der Farben bei den Aquarellen. Bertas lebhaftes Interesse an ihrer Umgebung dokumentieren vor allem die zahlreichen Porträts, die sie in ihrer Studienzeit schuf. Es sind Bildnisse von Verwandten und Freunden sowie auch von professionellen Modellen der Kunsthochschule - insgesamt eine faszinierende Galerie ihrer Erlebniswelt. Und ebenso ein Zeugnis ihrer scharfen Beobachtungsgabe. Ihre höchste Eindringlichkeit fand die Zeichnerin und Malerin in der Porträtkunst bei der Darstellung alter Menschen. Sie schildert sie voll Mitgefühl und dennoch unpathetisch.

Die Ausstellung zeigte unbekannte Werke einer bekannten Künstlerin. Im Mittelpunkt stand ein mit 13 Stationen fast kompletter Kreuzweg, Schwester M. Innocentias persönlichstes Werk. Es offenbart eine Tiefenschicht, die nicht sofort aus ihren Bildern einer heilen Kinderwelt zu erahnen wäre. Die Passion trägt eher den Privatcharakter des stillen Gebets. Sie begreift den Weg nach Golgotha als eine zur teilnehmenden Betrachtung auffordernde Folge von Grunderfahrungen des menschlichen Lebens. Der rasche, flüchtige Farbauftrag, welcher stützende Linien in Bleistift durchscheinen lässt, erinnert bisweilen an die Leichtigkeit der frühen Aquarelle Hummels aus den Jahren 1927-31. Das unvollendete Werk wurde lange vergessen. Zur Zeit seiner Entstehung wollten Hummels Auftraggeber etwas „Lustiges“ zum Imaginieren einer heilen Welt in unheilvollen Zeiten. So bleibt es ein kostbares Fragment.

Berta Hummel blieb nicht ohne Wirkung, auch in die Kunst der Gegenwart hinein. Das Beispiel ihres frühen Werks hat Künstler wie Peter Wittmann im Umgang mit der Farbe und im graphischen Duktus zu eigenen Arbeiten angeregt. Auch der Münchner Bildhauer Johannes Potzler ehrt Berta Hummel und ihr Werk. In der Hommage an die große Künstlerin zeigte er in der Ausstellung einen Kreuzwegzyklus aus Bronze sowie mehrere Skulpturen. Die ausdrucksstarken Kreuzbilder Wittmanns und die kraftvollen Reliefs Potzlers ergänzten die Ausstellung des Schaffens von Berta Hummel zu einer spannend-vielfältigen Schau.

Im Verlag Schnell und Steiner erschien ein Katalog zur Ausstellung (ISBN 978-3-7954-2268-4) -
siehe auch: Kunstwerk Mai 2009.

siehe auch: Rede von Dido Nitz zur Ausstellungseröffnung


 

 

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