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Werner Schneider an Joseph Beuys

Das Kunstwerk des Monats ist ein Neuzugang in den Kunstsammlungen des Bistums Regensburgs, der es in sich hat. Auf einem Briefbogen in DIN A4, der schon bessere Tage gesehen hat, liest man gar Unglaubliches:

Da wendet sich der Vorsitzende eines Kaninchenzüchtervereins aus dem Rheinland an Joseph Beuys (1921‒1986), Künstler-Ikone der deutschen Nachkriegskunst, um ihm ein paar gut gemeinte Ratschläge zur Kunst zu unterbreiten. Insbesondere ein Kaninchen der Rasse „Holländer schwarz-weiß“ steht im Fokus des Schreibens. Einen solchen nämlich habe Beuys im Rahmen seiner Aktion „Wie man dem toten Hasen die Welt erklärt“ in der Galerie Schmela in Düsseldorf fälschlich als Hasen bezeichnet. Jedoch bestünden „grundlegende Unterschiede“ zwischen Kaninchen und Hase. Grundsätzlich freue man sich aber über die „Anerkennung im kulturellen Bereich“, die dem deutschen Zuchthasen dadurch zuteilwerde.

Der Brief bringt die lesende Person unweigerlich zum Schmunzeln – und zwar unabhängig davon, ob sie Beuys’ Aktion kennt oder nicht. Kleinkariert und gleichzeitig herzerwärmend mutet die Berichtigung des großen Künstlers durch den Kaninchenzüchter an, dessen Hobby hier nun auf die Weltbühne gerückt wird. Zu gerne hätte man gesehen, wie Beuys diesen Brief liest – doch dazu kam es nie.

Verfasst wurde der Text nämlich von dem Künstler Florian Toperngpong, Träger des Kulturpreises der Stadt Regensburg. Im Rahmen seiner Ausstellung "Aus dem Papierkorb der Weltgeschichte" in der Regensburger Galerie konstantin b. präsentierte er 2019 eine Reihe von Briefen, die es tatsächlich gegeben haben könnte. Sie sind so nahe an der Wirklichkeit orientiert, dass man sich beim Lesen stets nicht ganz sicher sein kann, ob das jetzt so stimmen kann. In Zeiten, in denen der Begriff der „Fake News“ allgegenwärtig ist, stellt Kunst, die unsere Wahrnehmung herausfordert und uns bewusst macht, wie sehr die Geschichtsschreibung von kleinen Details beeinflusst werden kann – und auch wird ­–, ein kostbares Gut dar.

67 solcher Briefe publizierte der Künstler unter dem Titel "Aus dem Papierkorb der Weltgeschichte" bei Jacoby & Stuart, erschienen 2018.

Florian Toperngpong
Werner Schneider an Joseph Beuys (3/5), 2019
Druck auf Papier
2019/5006

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