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Sybille Loew (*1960)
Einwanderung

Sybille Loew Einwanderung

61 auf Leinwandnessel gestickte Porträts von Menschen mit Migrationshintergrund hängen von der Decke des Raumes. Auf Augenhöhe montiert, begegnet man ihnen von Angesicht zu Angesicht.

 

Die Vorderseite zeigt das Gesicht eines Menschen, mit schwarzem Faden skizzenhaft gestickt, als Vorlage hat die Künstlerin Fotografien verwendet. In Interviews wurde von ihr der jeweilige Hintergrund der Einwanderung erfragt. Die schwarze Farbe lässt einen dokumentarischen Charakter entstehen - zusätzlich wird die Stirn der Dargestellten durch rote Furchen entstellt, die wie Narben wirken.
Beim Sticken entstehen immer zwei Seiten, so zeigen die Rückseiten die Porträtierten auf verwandelte Weise. Man erkennt, dass es sich bei den roten Fadenlinien auf der Stirn, die auf der Vorderseite wie willkürlich entstanden wirken, um gestickte Texte handelt: Die Künstlerin hat hier den individuellen Grund der Einwanderung festgehalten. Zusätzlich entsteht beim Betrachten die Assoziation einer blutigen Spur, die sich durch das Gesicht zieht. Allein durch die Farbwahl schwarz - rot stellt sich eine dramatische Wirkung ein.
Die Künstlerin hat zwischen die Migranten, die gezwungenermaßen ihre Heimat aufgeben mussten, die Menschen gestellt, die von sich aus ihr Umfeld verlassen haben, um eine bessere Lebensperspektive zu erlangen. Und dazwischen findet man Deutsche, die selbst in andere Länder eingewandert sind.
Zu einem Neuanfang gehört der Abschied vom Alten, Mut und Kraft für einen Neubeginn, oftmals aus einem Trauma heraus, Durchhaltevermögen und die Hoffnung auf das Verständnis und die Hilfe anderer Menschen. Durch den erlittenen Verlust entstanden Narben, Entstellungen, die im Gesicht, dem Spiegel der Seele eines Menschen, lesbar bleiben.
Der Blick auf den geschundenen Menschen, das genaue Hinsehen, das Verharren und die Auseinandersetzung mit dem Gesehenen – das zeichnet die künstlerische Arbeit von Sybille Loew aus. Sie sieht die Menschen in der Vielfältigkeit ihrer Schicksale genau an und widmet ihnen Zeit, indem sie stickt: Gesichter, Namen, Schicksale.     Doris Kettner

Einwanderung
2004
61 auf Leinwandnessel gestickte Porträts (ca. 27 x 35 cm)

Zu sehen bis 12. Juli in der Ausstellung „Ich bin da. Künstlerische Perspektiven zum Thema Flucht“

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