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Ausstellung vom 21. September bis 4. November 2007
im Museum St. Ulrich

Vor 150 Jahren wurde in St. Ulrich neben dem Dom die erste Ausstellung sakraler Kunst gezeigt. Fünf bayerische und fünf böhmische Künstlerinnen und Künstler begegneten in der Jubiläumsausstellung mit ihren zeitgenössischen Arbeiten den Kunstwerken aus Antike, Mittelalter, Barock und 19. Jahrhundert.

Im spannungsvollen Kontrast gestellt und gehängt zwischen den historischen Exponaten zeigten Alois Achatz, Karl Aichinger, Ursula Merker, Johanna Obermüller und Alois Öllinger sowie Patrik Hábl, Libor Kaláb, Anna Kocourková, Eliška Pokomá und Dr. Karel Rechlík Skulpturen, Installationen und Gemälde. Die Präsentation „Dialog 8“ schlug Brücken zwischen Kirche und Kunst, Geschichte und Gegenwart, Bayern und Böhmen.

1854 gründeten der Regensburger Bischof Valentin von Riedel (1842-1857) und der Mettener Abt Gregor Scherr (von 1856-1877 Erzbischof von München und Freising) den Kirchlichen Kunstverein für das Bistum Regensburg mit Sitz in Kloster Metten. Drei Jahre später anlässlich der Zweiten Generalversammlung der Diözesan-Kunstvereine in Regensburg vom 15.-17. September 1857 organisierten die beiden kunsthistorisch interessierten Priester Franz Bock (Aachen) und Georg Jakob (Regensburg) eine über 200 Exponate umfassende Ausstellung in der profanierten Ulrichskirche zum Thema: „Die mittelalterliche Kunst in ihrer Anwendung zu liturgischen Zwecken“. Die Besichtigung der Ausstellung wurde damals am 16. September um 11 Uhr angesetzt. Der Katalog stellt in kurzen Beschreibungen die Werke der Skulptur (Statuen, Reliefs, Geräte), Gemälde (Tafelgemälde, Miniaturen, Handzeichnungen und Aquarelle, Dombaurisse) sowie Paramente vor. Unter der Grafik waren auch zeitgenössische Werke wie Aquarelle von Friedrich Eibner von 1853 vertreten.

Diese bedeutende religiöse Kunstschau war nach 150 Jahren Anlass, mit zeitgenössischen Künstlern aus Bayern und Böhmen zu reagieren. Jeweils fünf bayerische und tschechische Maler und Bildhauer setzten sich mit ihren Arbeiten mit dem historisch gewachsenen Bestand der Kunstsammlungen des Bistums vom hohen Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert auseinander. Reizvoll erschien dies insbesondere bei der Gegenüberstellung der Künstler diesseits und jenseits den Böhmerwaldes.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (ISBN 978-3-7954-1865-6).

PRESSEBERICHT

... Wenn die Schalen von Alois Öllinger sich in Vitrinen mischen mit Elfenbeinstäben und alten Goldarbeiten für den Altar, ist ihre auratische Wirkung ähnlich: Sie fangen den Blick, sie schimmern, sie suggerieren Gold in feinster Bearbeitung. Man erwartet viel Gewicht und ist verblüfft, wenn man sie berührt: aus Marmorstaub und Polyester gebildet, aus altem und neuen Material also, glänzend wie Gold, aber ohne Gewicht. Auch sie bilden „Landeplätze für den Geist“, wie ein anderes Werk Öllingers heißt.

Die Fotografin Anna Kocourková aus Pilsen fotografiert Mittelstreifen auf Fahrbahnen, dort wor Betonplatten aufeinander stoßen und ein schwarz-weißes Kreuz ergeben. Sind da auch noch Ausbesserungen der Fahrbahn mit Teer, bleibt Platz für Assoziationen: hier ein fadendünner Menschenleib am Kreuz, dort ein Lendentuch oder die nach oben ausgestreckten Arme Christi...

Patrik Hábl aus Prag ruft zum Innehalten auf durch seine vier ruhigen Landschaften, streng horizontal komponiert, mit verheißungsvollem Blau selbst in den tiefen Kratern der „Mondlandschaft“.

Mit entgegengesetzten Mitteln, mit buntem Farbspiel in geschwungener Abstraktion, fängt der Weidener Karl Aichinger den Geist des Pfingstfestes ein.

Die dritte malerische Position besetzt Mrg. A. Libor Kalàb aus Brünn: In düsteren Farben zeigt er seine surreal-figürlichen Reflexionen „über die Materie“.

Eliska Pokornà aus Prag reagiert mit unscharfer, zarter und zartfarbiger Malerei auf das mittelalterliche Schmetterlingsreliquiar aus den Beständen des Diözesanmuseums: „Mit leichten und breiten Membranen als Flügeln“ (Basilius, 4. Jhd., Hexameron 8) bewegen sich ihre Schmetterlinge übers Bild.

Die Regensburgerin Johanna Obermüller setzt mit ihren Fahnen und Pseudokalligraphien auf großen Papierbahnen bewusste räumliche Akzente im beeindruckenden und vielfältigen Kirchenraum St. Ulrich.

Ursula Merker
, Glaskünstlerin aus Kelheim, reagiert mit ihrer Glasskulptur „Subkutan“ auf die umstehenden Muttergottesfiguren, nur dass ihr Christuskind am Tropf hängt, ein irritierendes, aufrüttelndes Bild. Ihr „Pontius Pilatus“ ist ein unheimlicher Waschtisch: Pontius Pilatus kann sich die Hände in Unschuld waschen, sich dabei im Spiegel betrachten – ohne das Blut in der Waschschale zu sehen, die aus farblosem und rotem Glasguss gefertigt ist. Das sind Kunstwerke, die Gänsehaut hervorrufen.

Zwei Skulpturen außer Katalog von Dagmar Langovà, „Couch“ und „Arche“, zeigen aufgebrochene, vegetabile Strukturen, in wertvolle Goldaura gepackt.

Ein kleines Kunstwerk zum Schluss: der „Kleine Hausaltar“ von Alois Achatz aus Regensburg. Achatz nimmt sehr direkt auf St. Ulrich Bezug: Der Querschnitt der Stele entspricht dem Grundriss der Kirche, der ca. zwölf cm2 große Innenraum des Tempelchens zeigt Fotos das Innenraums der Kirche, auch ein Rundfenster fehlt nicht, das das Kirchenstübchen von hinten beleuchtet und den Christus sichtbar werden lässt. Ein kleiner Schrein als Abbild des großen Schreins St. Ulrich mit all seinen alten und – im Augenblick – neuen, sehr sehenswerten Kunstschätzen.

Mittelbayerische Zeitung, 19. Oktober 2007

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