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Melchior Küsel (1626-1683)
Barocke Idealansicht des Regensburger Domes

Der großformatige Kupferstich Melchior Küsels aus dem Jahr 1655 dokumentiert anschaulich, dass schon im Barock die Idee der Vollendung der Regensburger Domtürme verfolgt wurde. In einer reich geschmückten Kartusche zwischen den himmelstrebenden Turmspitzen ist zu lesen, es handele sich um eine „IDEA Cathedralis

Ecclesiae Sti. Petri Apostoli In Ciutate Ratisbonensi“, also eine Idealvorstellung der Kathedrale St. Peter in Regensburg. In einer weiteren Kartusche sind die Eckdaten der Regensburger Dombaugeschichte bis 1649 zusammengefasst. Exakt markierte Küsel mit einer waagerechten Linie den Baustopp der Türme, so dass ganz klar ist, wo die Planungsfantasie des Künstlers einsetzt: „Hac usq(ue) ‒ Fabrica est perfec – ta“.
Küsel war einst Schüler und Mitarbeiter Matthäus Merians d. Ä. in Frankfurt und später in Augsburg ansässig, wo er u.a. im Auftrag des Münchener Hofes tätig war. Merian hatte über zehn Jahre zuvor eine Südwestansicht des Regensburger Domes zur Barockzeit für seine Topographia Bavariae (1644) geschaffen. In welchem Umfang Küsel an dieser Stichserie Merians mitarbeitete ist unklar. Deutlich erkennbar ist allerdings, dass der langgestreckte Baukörper von Küsels Idealansicht in vielen Details große Nähe zur Merian-Ansicht des Regensburger Domes aufweist.
Bemerkenswert sind die Architekturerfindungen Küsels, mit denen er den baulichen Ist-Zustand der Kathedrale ergänzte. Er erdachte etwa eine ausladende polygonale Vierungskuppel barocken Zuschnitts, versehen mit gotisierendem Baudekor. In einer ähnlich kühnen Stilmischung gestaltete er auch die hoch aufragenden Zwillingstürme für den Regensburger Dom, die bekanntlich unvollendet geblieben waren. Barocke Säulen der korinthischen Ordnung wechseln sich hier mit gotisierendem Maßwerk ab und wachsen organisch dem Himmel entgegen.
Bei einer älteren Restaurierung wurde der Kupferstich auf einen neuen Trägergrund aufgebracht.      (Theresa Häusl)

Augsburg, 1655 (datiert)
Kupferstich
Blattgröße: 75 x 65,5 cm
Inv. Nr. 1991/0057

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