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Zwei gotische Pläne zum Ausbau der Regensburger Domspitzen

Regensburg feiert dieses Jahr 150 Jahre Vollendung der Regensburger Domspitzen. Als Wahrzeichen überragen die Zwillingstürme die Dächer der Stadt und sind schon aus weiter Entfernung zu erkennen. Viele Jahrhunderte jedoch waren die Türme unvollendet geblieben. Finanzielle und planerische Engpässe in der Zeit kurz nach 1500 hatten den Weiterbau der Regensburger Kathedrale verhindert.
Zwei ganz besondere Stücke aus dem Domschatz zeigen jedoch eindrucksvoll, dass Pläne zum Türmeausbau bereits im Mittelalter konkrete Formen angenommen hatten: Zwei Federzeichnungen auf Pergament zum Ausbau der Domspitzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Erst 1828 wurden die kostbaren Originale wiederentdeckt und in die Planungen zur Turmvollendung einbezogen. Aufgrund ihrer beachtlichen Größe, aber auch aufgrund ihres Alters und Materials werden sie im Bischöflichen Zentralarchiv verwahrt und sind im Domschatz nur in verkleinerter Kopie zu sehen.

Der sogenannte Einturmplan entstand in der Zeit um 1400 und sah einen reich geschmückten Turm mit einer Höhe von etwa 150 m über einer doppelgeschossigen Dreiecksvorhalle vor. Dafür hätten allerdings die zu diesem Zeitpunkt bereits gebauten unteren Geschosse des Südturms wieder abgebrochen werden müssen. Auch statisch wäre die Umsetzung des Einturmplans nur bei deutlicher Verbreiterung des Sockelgeschosses realisierbar gewesen. Auch wenn dieser Entwurf nur kühne Phantasie blieb, wurde das Motiv der doppelgeschossigen Dreiecksvorhalle für die Planung des Hauptportals bestimmend.
Der sogenannte Zweiturmplan zeigt nicht die gesamte Westfassade, sondern nur Mittelteil und Nordturm ohne Helmaufsatz. Der Südturm ist darauf nicht zu sehen, denn er bestand um 1380 bereits bis zum zweiten Obergeschoss. Man kann die Entstehungszeit des Zweiturmplans daher auf nach 1380 eingrenzen. Auch wenn die prachtvollen Details, wie eine monumentale 24-strahlige Fensterrose im Zentrum und eine große Doppelpforte, letztlich nicht zur Ausführung kamen, wurde das architektonische Grundkonzept des Zweiturmplans bei der Vollendung der Westfassade im Wesentlichen beibehalten.
Vom 30. Mai bis 6. Oktober 2019 widmete sich unter dem Titel "Zwei Türme für den König" eine Ausstellung in St. Ulrich der Planungsgeschichte, Ausführung und Restaurierung der Regensburger Domtürme. Die beiden mittelalterlichen Risse sind dort in farbiger Reproduktion nebeneinander zu sehen. (Theresa Häusl)

Einturmfassade, um 1400
Federzeichnung auf Pergament - größte Höhe 442 cm; größte Breite 142 cm - D 1974/0124b

Zweiturmfassade, um 1380
Federzeichnung auf Pergament - größte Höhe 278,5 cm; größte Breite 127 cm - D 1974/0124a

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