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Türzieher, 1. Viertel 11. Jahrhundert

Mittelalterliche Türzieher sind, ähnlich wie Türklopfer, weit über ihre praktische Funktion hinaus vor allem Objekte von tiefem Symbolgehalt, ausgedrückt in der Darstellung selbst und vor allem durch ihre Platzierung an der Außenseite von Kirchentüren. In der Regel handelt es sich um in Bronze gegossene Tierköpfe, zumeist Löwen in mehr oder weniger naturnaher oder fratzenhafter Ausprägung.

Die Löwensymbolik ist in der christlichen Bildtradition seit jeher sowohl positiv wie negativ besetzt, Stärke und Erhabenheit verweisen auf Christus, die Urgewaltigkeit des Löwen ist aber auch Sinnbild für das Dämonische. Die Anbringung an der Türe macht für beides Sinn: Christus ist Bild für die Türe, das heißt Einladung und Heilsversprechen, das Dämonische dient als unheilabwehrende Kraft dem Schutz von Kirche und Gläubigen.
Die selten erhaltenen Stücke können bezeugen, dass die Türzieher schon im Mittelalter als hochrangiges Ausstattungselement galten und in wenigen überregionalen Zentren gefertigt wurden. Der Türzieher aus der Regensburger Obermünsterkirche, ob ehemals zu einem Paar gehörig ist ungewiss, ist ein singuläres Stück aus der Frühromanik und allein deswegen hochbedeutend. Sichtlich ist hier mehr ein Dämon als ein Löwe dargestellt, doch das Kreuz auf der Stirn besagt, das Böse steht in Diensten des Guten.
(F. Fuchs)

Aus der kriegszerstörten Stiftskirche Obermünster in Regensburg,
Kunstsammlungen des Bistums Regensburg, Inv.Nr. 1982/16
Maße: Dm 14 cm, T 7 cm
Bronze
1. Viertel 11. Jahrhundert                      

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