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Günther Zacharias. Eine Retrospektive im Museum Obermünster vom 14. Dezember 2013 - 19. Januar 2014

Zacharias Blumenfeld mit Häusern-um1940-Öl auf Leinwand-36x61cm-kleinGünther Zacharias, geboren am 13.12.1913 in Regensburg, fiel 1944 in Russland. Er blieb ein unbekannteres Mitglied der Malerfamilie Zacharias. "Die verlassenen Häuser sehen kostbar aus... Stationen und Kunst aus einem zu kurzen Leben": Eine Retrospektive zeigte zum 100. Geburtstag eine Auswahl der zahlreichen hinterlassenen Arbeiten, von Entwürfen für Wandmalereien bis zu Porträts und Landschaftsbildern. Günther Zacharias hatte an der Akademie für Bildende Künste in München bei Prof. Franz Klemmer studiert. Es scheint kaum eine Lebenssituation, kaum einen prägenden Eindruck gegeben zu haben, den er nicht mit Pinsel und Stift in lockerer Handschrift und mit einem feinen Form- und Farbempfinden festgehalten hat. Günther Zacharias - ein kurzes Leben für die Kunst: der Beitrag des BR zur Ausstellung

"Die verlassenen Häuser sehen kostbar aus" lautet der Titel der Ausstellung. Der Satz stammt aus einem Feldpostbrief Zacharias' von Frankreich aus an seine Eltern. Die letzten Lebensjahre des sensiblen Künstlers sind durch 237 Feldpostbriefe dokumentiert. Sie sind authentische Dokumente der Militär- und Mentalitätsgeschichte im 2. Weltkrieg aus Frankreich und Belgien, Estland, von der Krim und aus der Ukraine. Die Route von Günther Zacharias lässt sich in Grundzügen durch die in den Briefen gelegentlich enthaltenen Hinweise, durch die Eintragungen im Wehrpass, in Einzelfällen auch durch Angaben auf erhaltenen Aquarellen, Zeichnungen und Fotos rekonstruieren. Der erste Brief trägt das Datum 28.9.1939 und wurde in Grafenwöhr aufgegeben; der letzte stammt vom 18.11.1943. 1941 war der Soldat an die Ostfront verlegt worden.

Zacharias PortraitGünther Zacharias, der mit 25 Jahren an die Front musste, distanzierte sich nachdrücklich von jedweder heroischen Kriegsmalerei. Am 26.7.1940 schrieb er seinen Eltern: „So ein geschäftstüchtiger Frontmaler wie Jobst bin ich nicht und will ich auch nicht werden. Zerschossenen Häuser und gesprengte Brücken sollen ruhig andere machen. Ich zeichne Landschaften, die mir gefallen und nicht das was gerade jetzt aktuell ist. Den Krieg und das was ich gesehen habe, möchte ich schnell vergessen, es war oft schauderhaft.“ Ähnlich und noch etwas sarkastischer klingt es im Brief vom 15.1.1943 an den Malerkollegen Helmut Koeppel: „Es muß doch nicht jeder Pulverdampf, zerschossenen Häuser und explodierende Granaten malen, um je damit in den Hauptsaal an die Ehrenwand gehängt zu werden.“ (15.1.1943)
Statt heroischer Kriegsszenen malte und zeichnete Günther mit großer Begeisterung seinen Alltag, Landschaften, Gärten, Häuser, einen Heldenfriedhof, auch Menschen wie seine Waschfrau, eine stillende Mutter oder russische Gefangene. Er ärgerte sich dann auch wieder  über die hohe Luftfeuchtigkeit, die ihm das Aquarellmalen erschwerte. Besonders betrübt war er, als er gleich drei Skizzenbücher verlor, „weil darin ein paar Blätter waren, die ich sehr gern hatte und die mir nicht alle Tage glücken.“ Seitdem schickte er die Skizzenbücher, wenn sie voll waren, gleich nach Hause, was auch nicht immer vom Glück begünstigt war. Einmal gab er ein Exemplar einem Kurierflieger mit, der jedoch abstürzte.

Gelegentlich erhielt er Aufträge. So malte er im Winter 1941 ein Soldatenheim aus, musste vor einem russischen Angriff mit seiner Einheit aber den Ort verlassen. Im Mai 1942 kam er wieder zurück, „wo wir am 29. Dez. ausreißen mußten.“ Er suchte und fand das Soldatenheim und berichtete seinen Eltern: „Das Soldatenheim, das ich ausgemalt hab war überstrichen, innen und außen. Die Stellen wo die Malereien waren, sind recht zerkratzt gewesen; vermutlich hat es den Russen nicht gefallen.“
Im August 1943 hatte er ein Offizierskasino künstlerisch auszugestalten. In nur zwei Tagen malte er auf einer fünf Meter langen Wand Bilder zum Lied „Es saßen die alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins ...“ und teilte seinen Eltern mit: „Den Offizieren gefällt es.“
Und da er „Maler“ war, wurde er mehrfach als Maler von Verkehrsschildern beschäftigt.

Der Künstlersoldat zeigte sich sehr interessiert am Kunstbetrieb in der Heimat. Er ließ sich von Ausstellungen berichten und forderte Kataloge an. Es freute ihn, dass seine Bilder in Ausstellungen in Regensburg und Nürnberg zu sehen waren. Als er Fotos von „seiner“ Wand in der Regensburger Ausstellung erhielt, äußerte er sich allerdings kritisch: „so nah haben sie aneinander gehängt, typisch kleinstädtisch!“ Freude bereitete ihm dagegen, dass Professor Gruber seine zwei schönsten Bilder kaufen will, was ihn „sehr ehrt“.

Zacharias AusstellungAls Günther Zacharias erfuhr, dass das „Dürerstipendium“ verliehen wurde, war er „natürlich hocherfreut. Nicht sosehr über den damit verbundenen Geldbetrag, sondern darüber daß es mich getroffen hat, wo so viele drauf warten. [...] Jetzt freut mich meine Arbeit natürlich doppelt.“ (11.4.1942) Ein halbes Jahr später war die Euphorie wieder verflogen und machte einer depressiven Phase Platz: „Der Dienst ist so langweilig und man hätte den Kopf so voll Pläne und vertrödelt hier die kostbare Zeit. Ich werd jetzt bald 30 Jahre, da sollte man schon mitten in seinem Lebenswerk sein.“ Zweimal wurde Günther Zacharias verletzt, zweimal hatte er Glück. Am 9. Februar 1944 traf ihn eine russische Fliegerbombe - beim Malen.      

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