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Manfred Sillner (*1937)
„Die Dame kommt gleich wieder“

Manfred Sillner, Die Dame kommt gleich wieder! II, 2006/2007

Eine gelungene Synthese von realistischer Anschauung und Phantasie rühmt der italienische Gelehrte Gregorio Comanini 1591 im Werk eines großen Manieristen: „indem er die Bilder der von ihm erschauten fassbaren Dinge zusammensetzt, macht er seltsame Capricen daraus und Idole, die nicht mehr von der Kraft der Phantasie erfunden sind, und das, was unmöglich zu vereinigen scheint, fügt er mit großem Geschick zusammen und läßt das daraus werden, was er will.“

Gilt diese „mistura“, die hier Giuseppe Arcimboldo (1526-1593) auszeichnet, als Merkmal, lassen sich die Tendenzen des Phantastischen, die in der Kunstgeschichte immer wieder aufscheinen, durch die Jahrhunderte zum phantastischen Realismus führen.

Wenn Sillner die Kompositköpfe des großen Hofmalers von Kaiser Rudolf II. in seinen Bildern zitiert, ist das folgerichtig auf dem zeitlosen Weg in die Gegenwart. „Die Dame kommt gleich wieder“ nennt Sillner variierte Gemälde, die weit über eine Hommage hinausgehen. Sie sind das ihm eigene verklausulierte Spiel mit Motiv und Formen. In die bekannten Umrisse der Mona Lisa, dem so vielfach rezipierten Werk von Leonardo da Vinci, setzt Sillner auf den Malgrund in den Originalmaßen zuerst in kräftigen Blautönen den Ausblick da Vincis in eine fremdartige Landschaft. Er nimmt auch die Balustrade auf mit den im Original beschnittenen Säulen, vor der seine Figur ebenfalls auf einem Stuhl parallel zur Bildebene positioniert wird. Doch das dem Betrachter zugewandte Gesicht von La Gioconda ermöglicht hier dem Betrachter keinen Blick auf das geheimnisvolle Lächeln.

Unter dem durchsichtigen Schleier wächst vor der Augen- und Mundpartie der fein verästelte Baum empor, der in Leonardos Anna Selbdritt kräftig als Symbol des (ewigen) Lebens in der öden Landschaft steht. In der Baumkrone schwebt eine Leonardofigur, am Stamm hat sich eine weitere niedergelassen, zwei tanzen auf der Schulter. Den linken Bildrand ziert eine Vase aus der Madonna mit der Nelke. Den Blick zieht im Vordergrund jedoch der Jesusknabe mit dem Lamm, das Passionsmotiv aus der Anna Selbdritt, auf sich. Sillner lässt ihn auf dem linken Arm über den behandschuhten Händen der Mona Lisa knien und übersetzt mit dem gegenüberliegenden Arrangement weiterer Bildzitate die Pyramidal-Komposition Leonardos. 33 Jahre nach der Erstfassung verfremdet Sillner das Jesuskind zur beschädigten Puppe, das Schaf wird zum Stofftier. Leda wird ohne Kopf gezeichnet vor einem menschlichen Schädel, der einen Hermelin, das Symbol der Reinheit, anzugrinsen scheint. Vor der Dreiergruppe liegt ein menschlicher Fötus. Das Bild hat seine Unschuld verloren, ist des Zierrats entkleidet, Schönheit und Leichtigkeit kontrastieren die in die Nähe gerückte Vergänglichkeit.  
                                                                                                                                                              Maria Baumann

B157
Die Dame kommt gleich wieder!  II
2006/2007
77 x 53 cm
Privatbesitz

zu sehen in der Ausstellung „In der Ewigkeit ein Sprung“. Bilder von Manfred Sillner, bis 18. November im Museum Obermünster.

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