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Die Anbetung der Könige

Glasfenster Dom St. Peter Regensburg

Das mittelalterliche Medaillonfenster im Hauptchor des Domes St. Peter, gestiftet von Bischof Nikolaus von Ybbs (1313-1340), konzentriert sich in flimmernder Leuchtkraft auf wenige kräftige Farbtöne: Blau, Rot, Flaschengrün, Goldgelb, Lila, Aubergine und Weiß. Die oberste Zeile zeigt Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu: die Verkündigung an Maria, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige und die Darbringung im Tempel.

Jesus von Nazaret *5/4 v. Chr. – Ein kleiner Stern steht als Zeichen für den Beginn eines neuen Lebens. Für Jesus begann das irdische Dasein, so berichtet es Lukas in seinem Evangelium, als Kind in einer einfachen Krippe. Matthäus aber erzählt von einer ganz außergewöhnlichen Erscheinung: von einem strahlenden Stern, der Magiern den Weg zu dem Neugeborenen weist. So schmückt der Stern die Weihnachtskrippe. Seit Franz von Assisi 1223 in Greccio mit lebenden Tieren und Menschen die Weihnachtsszene nachstellte, die Jesuiten 1562 die erste Krippe in Prag aufbauten, gehört das Jesuskind im Stall, gebettet auf Stroh und Heu, zum Bild von Weihnachten. Strohsterne zieren den Christbaum und verbinden die beiden Vorstellungen. Selbst Zimtsterne als süße Leckerei auf dem Gabentisch erinnern eigentlich an das große Symbol von Weihnachten.

Was aber ist das für eine seltsame Geschichte? Menschen machen sich auf den Weg, um mit Hilfe eines Sterns einen König zu finden. Das Neue Testament spricht von „Magiern“, die Lutherbibel von „Weisen“, die da aus dem Osten nach Jerusalem kommen. Die frühe Kunst stellt sie als Mithraspriester dar. Ein Mosaik in Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert zeigt „Balthassar, Melchior, Gaspar“ als Männer in den drei Lebensaltern mit persischer Kleidung. Mit ihren Gaben in kostbaren Gefäßen folgen sie dem achteckigen Stern. Denn nach alter Tradition, und ihr ist auch der Stil des Regensburger Glasfensters verbunden, hat der Stern von Bethlehem acht Strahlen oder Zacken. Die Zahl, die in sich das Zeichen für Unendlichkeit trägt, steht im Christentum für den achten Schöpfungstag: mit der Auferstehung Christi beginnt eine neue Schöpfung. So verkündet der Stern seiner Geburt bereits das Erlösungswerk Jesu und das ewige Leben in Christus.

Durch alle Jahrhunderte gehört der Stern zum Bildmotiv der Hl. Drei Könige. Ab dem 12. Jahrhundert stehen die drei Männer auf Gemälden und in Skulpturen nebeneinander oder im Halbkreis, ein Magier kniend, einer aufrecht mit seinem Geschenk in Händen – der mittlere zeigt auf das goldene Himmelslicht. Diese Darstellung nimmt das Glasfenster auf.

Die Einheitsübersetzung der Bibel liest das griechische Magoi als Sterndeuter. Vermutlich kommen die Astrologen des Matthäusevangeliums aus Babylon, denn dort gilt das Beobachten und Deuten von Sternen bereits im Altertum als hohe Wissenschaft. Für die drei orientalischen Gelehrten ist es auf jeden Fall sternenklar, dass diese außerordentliche Himmelserscheinung über einem neuen König leuchtet. Schon früh gibt es die volkstümliche Anschauung, dass bei der Geburt des Menschen ein seiner Bedeutung entsprechender Stern erscheint. Der römische Gelehrte Plinius d. Ä. beschreibt in seiner um 79 erschienenen Naturgeschichte die besonderen Gestirne, die auf historische Ereignisse weisen: „Manchmal sind auch ganze Tage hindurch nebst der Sonne Sterne sichtbar“.

Selbst für die Weisen aus dem Morgenland, die doch an einen anderen Gott glaubten, ist die Ankunft des „Königs der Juden“ ein historisches Ereignis. Der vom römischen Kaiser Augustus abhängige König Herodes von Jerusalem, aus dessen Regierungszeit sich das heute vorverlegte Geburtsdatum Jesu errechnet, aber erschrickt mächtig vor der Botschaft vom Stern und fürchtet um seine Herrschaft über Israel. Herodes sieht die Vorhersagen des Alten Testaments erfüllt, nach dem aus Bethlehem der neue Fürst kommen wird, „der mein Volk Israel weiden soll“.
Eine weitere Prophezeiung steht im Hintergrund. Im Buch Numeri ist das Orakel des Sehers Bileam zu lesen: „Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.“ Diese Torástelle wurde in frühjüdischer Zeit als Vorankündigung des Messias interpretiert. Für die Christen wird Jesus zum in Israel neugeborenen König, er ist der aufgehende Stern. 

Welches astronomische Phänomen die drei Weisen tatsächlich beobachteten, ist bis heute nicht gelöst. Die Idee, wie der Stern aussah, prägt vor allem der italienische Maler Giotto di Bordone. Er gestaltet 1304 einen großen Freskenzyklus in der Scrovegni-Kapelle in Padua mit der berühmten Anbetung der Hl. Drei Könige. Über der Krippe schwebt ein Stern mit einem langen Schweif. Damit erschafft er die Legende, dass der Weihnachtsstern der Halley’sche Komet gewesen sei. Vermutlich aber war Giotto einfach so beeindruckt von dem Kometen, den er 1301 selbst gesehen hat, dass der Halley für sein Werk der perfekte Stern der Weisen ist. Tatsächlich war der Schweifstern bereits in der Antike zu sehen, aber im Winter 12 v. Chr. Große Freude hat die Menschen bei seinem Anblick damals nicht erfüllt, denn Kometen galten lange Zeit als Unheilsboten. Für die Ankündigung des Heilsbringers kommt er damit wohl kaum in Frage. Ob Komet, Super Nova oder eine seltene Planetenkonjunktion von Saturn und Jupiter, wie es Johannes Kepler vermutete: bei allen Erklärungen bleibt das Wunderbare, das für Menschen auch nach über 2000 Jahren Wegweiser sein kann.
Maria Baumann               

Anbetung der Könige
Glasfenster im Dom St. Peter
Hauptchor, Fenster I
Um 1320


Foto: Diözesanmuseum (mit freundlicher Erlaubnis des Staatlichen Bauamts Regensburg)


 

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