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Wandbehang für einen Thronbaldachin

Wandbehang

Der rote Samtgrund ist aus fünf senkrechten, je 52 cm breiten Bahnen zusammengenäht. Darauf befinden sich aufwendige Silberstickereien in Sprengtechnik auf Kartonunterlage, teilweise auch in Anlegetechnik, mit aufgenähten silbernen Pailletten und Goldbouillon. In der Mitte erscheint, von einem Strahlenkranz umgeben, das Dreifaltigkeitssymbol: das Auge Gottes, das in Nadelmalerei auf ein silbernes Dreieck gestickt ist. Sonst ist die ganze Fläche des Grundes bedeckt mit reichsten Pflanzenformen.

An schlanken, wellenförmig geschwungenen Stielen sitzen in dichter Reihung lappige, akanthusähnliche Blätter. Die Stiele enden in verschieden großen, unterschiedlich gestalteten Blüten, die teils an Phäonien, teils an Tulpen erinnern. Als gliederndes Motiv ist am Rand in der Mitte jeder Seite eine größere Palmette eingesetzt; von hier aus breitet sich das Muster über den Grund. Dazwischen sind, besonders zur Mitte der Darstellung hin, kleine geschwungene Stiele eingestickt, die silberne Ranken und aus Pailletten gebildete Blüten tragen. Durch die Verwendung verschiedenartiger Fäden (einschließlich Silberlahn) differenziert sich die Oberfläche der Stickereien in matte und glänzende Teile, die in ihrer stets wechselnden Struktur vielfach variiert sind. Für den im frühen 19. Jahrhundert zusammengestellten Baldachin benutzte man ältere Silberstickereien, die durch symmetrische Kopien ergänzt wurden. Die älteren Stücke müssen von einem prunkvollen Behang aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts ausgeschnitten worden sein. Spuren deuten darauf hin, dass die originalen Silberstickereien teilweise vergoldet waren.
Der prächtige Wandbehang war bis Anfang der 70er Jahre im Dom hinter dem Bischofsthron angebracht, in Höhe des Hochaltars an der Nordwand des Hauptchors. Zu der Rückwand gehören noch ein Baldachin aus geschorenem Samt mit Lambrequins sowie seitliche, mit Fransen verzierte Schabracken. Stifter des gesamten Thronbaldachins war der Fürstprimas Carl Freiherr von Dalberg (1803-1817). Er hatte die Anlage für den Regensburger Dom beschafft, sie aber nach seinem teilweisen Auszug im Jahr 1810 nach Aschaffenburg mitgenommen. 1826 machte das Königl. Bayerische Appalations-Gericht Amberg die Regensburger Domherren darauf aufmerksam, dass sich aus dem Nachlass Dalbergs immer noch ein Baldachin in Aschaffenburg befinde, der dem Regensburger Dom gehöre. Darauf holte man die Stücke am 23. Dezember 1826 nach Regensburg zurück.

Anfang 18. und frühes 19. Jahrhundert
Silberstickerei in Anlege- und Sprengtechnik, auf dunkelrotem Samt
H 278 cm, B 260 cm

Nach der Restaurierung nun wieder zu sehen im Domschatz, Obergeschoss.