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Das altgriechische Wort tríptychos (dreifach gefaltet) steht für einen Grundtypus des christ­lichen Altars im Mittelalter: Ein Hauptbild mit zwei seitlichen Flügeln, drei Teile also, die zusammen eine Einheit bilden, letztendlich ein Symbol für die Dreifaltigkeit Gottes.
Das moderne Triptychon „was uns verbindet“ birgt auch im Detail Anspielungen auf mittelalterliche Flügelaltäre. Während dort ein glatter hoch­glänzender Goldhintergrund die Figuren aus der irdischen Wirklichkeit feierlich heraushebt, ge­schieht hier Ähnliches durch chromgoldene Hinter­grundflächen. Und auch die innere Anordnung der Figuren ist ähnlich. Hier wie dort erscheinen sie in einer Art Zwischenwelt, ohne eigentliche Handlung stehen sie uns gegenüber, ruhig nebeneinander aufgereiht, im Mittelalter mit jenseitig entrücktem Blick, gänzlich blicklos jedoch auf dem modernen Kunstwerk.
Eine schillernde Palette von Deutungsansätzen liegt auf diesen so befremdlich entleerten, ausgehöhlten Gesichtern. Zunächst könnte man an das bekannte Bibelwort denken: „Du sollst dir kein festes Bild machen …“, weil der Kern aller Dinge, d.h. letzt­endlich das Göttliche unsichtbar und nicht konkret darstellbar ist. Das Bilderverbot im Islam, welches auch das Christentum zeitweise kannte, hat darin seine Wurzeln.
Die leeren Gesichter sind nur noch Umriss, Symbol­zeichen für etwas, das wir als Betrachter mit realem Leben auffüllen könnten, mit allem was uns durch den Kopf geht. Gleiches gilt für die Figuren als Ganzes. Ihre dichte Gruppenanordnung täuscht ein Miteinander vor. Was wir äußerlich wahrneh­men deckt sich jedoch keineswegs mit dem, was hier in Wahrheit vorherrscht. Was wir spüren ist vielmehr ein Nebeneinander, ein Gefühl von Ver­einzelung, Erstarrung und Kälte.
Was diese Menschengruppe verbindet ist letzt­endlich nur etwas Formelhaftes.
Abgelöst und zum graphischen Kürzel abstrahiert erscheint diese Formelhaftigkeit wie „bloßgestellt“ auf den seitlichen Flügeln. Im Grunde Nichtdar­stellbares wurde damit dennoch zum sprechenden Bild.     (FF)                         

Triptychon, Mitte 130 x 100 cm, rechts und links jeweils 130 x 80 cm
Acryl auf Keilrahmen/Leinwand, ChromaGold
1998
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