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Das Osterlamm

Unser Motiv zeigt ein in eine Kreisscheibe gemeißeltes Osterlamm mit Fahne an der Nordostkante des Hauses Weiße-Hahnen-Gasse 2. Das Steinbild erzählt von der reichen Geschichte des Anwesens. Das Relief war einst der Schlussstein eines gotischen Gewölbes, bevor es auf einem Halbrundpfeiler zum Wirtshauszeichen wurde. So warb es für die vornehmste Gaststätte Alt-Regensburgs: „Im weißen Lämpel“ hieß sie in der ersten Erwähnung 1667, später schlichter Gasthof „Zum Weißen Lamm“. Umso berühmter waren seine Gäste, die hier in dem dreigeschossigen Haus mit Blick auf die Donau und Stadtamhof Herberge nahmen.

1820 wurde der Gasthof zwangsversteigert. Eine gerichtliche Bekanntmachung beschreibt das Anwesen: „Das Gasthaus hat ... zu ebener Erde zwei gepflasterte Hausfluren, eine große Wagenremise, 3 Stallungen für 36 Pferde, eine Stube, 2 Keller, einen Brunnen, einen Hof samt Waschhaus, eine Holzlege, einen Heuboden, eine Hühnerstube, einen Abort samt Dungstätte.“ In der zweiten und dritten Etage sowie unter dem Mansardendach wurden neben dem „Speisesalon“ und den Küchen insgesamt 23 Zimmer gezählt.

So ungefähr sah der Gasthof wohl bereits aus, als im Herbst 1786 in der Wochenzeitschrift „Regensburger Diarium“ zu lesen war: „Zur steinernen Brücke herein: Den 4. September per posta, Herr Möller, Passagier von Leipzig, log. (iert) in weißen Lamm...“. Dieser Kaufmann Möller reiste inkognito, denn er war ein Dichterfürst auf dem Weg von Karlsbad nach Italien. Johann Wolfgang von Goethe notierte seine Erlebnisse nicht nur in seinem Tagebuch; hier „am Wasser“ zeichnete er auch eine Ansicht der Stadt, von der er in der Einleitung der „Italienischen Reise“ schrieb: „Regensburg liegt gar schön. Die Gegend musste eine Stadt herlocken.“

Vier Jahre später meldete das „Regensburger Diarium“: „Den 25 per posta, Herr Mozart Kön Ung Kapellmeister ... log im weiß Lamm“. Wolfgang Amadeus Mozart pries die Gastfreundschaft, die er hier erlebte: „In Regensburg speisten wir prächtig zu Mittag, hatten eine göttliche Tafel-Musick, eine Englische Bewirthung und einen herrlichen Mosler-Wein.“ So gestärkt reiste er weiter nach Frankfurt, wo er zur Krönung Kaiser Leopolds II. ein Konzert gab. Am 22. Januar 1794 entstieg schließlich Joseph Haydn auf der Reise nach London am damaligen Donaukai dem Postwagen, um im „Weißen Lamm“ zu übernachten. Eine Steinätzplatte an der Fassade neben dem Lammrelief erinnert mit einem Vers an die illustren Gäste: „Ich altes Haus, einst wohlbekannt / War stolz zum Weißen Lamm benannt. / Ich bin auch wirklich zu beneiden, / Hier wohnten Goethe, Mozart, Haydn.“ Die Liste berühmter Namen aber ist noch länger: Kaiser Joseph II. logierte hier ebenso wie Kaiser Franz II. auf dem Weg zu seiner Krönung. Der spätere Staatsmann August Bebel (1840-1913) arbeitete und wohnte in dem Haus, das im Kern wohl aus dem 14./15. Jahrhundert stammt, als Drechslergeselle. Sie alle gingen an dem kleinen Denkmal vorbei, das an der Ecke zur Weißen-Lamm-Gasse, der es ebenfalls seinen Namen gab, links neben dem Tor stand.

Osterlamm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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