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Ausstellung vom 16. November 2005 bis 5. Februar 2006
Priesterseminar Regensburg – ehemaliges Schottenkloster, Kreuzgang

Scoti Peregrini


800 Jahre irische und schottische Kultur in Regensburg: Im 11. Jahrhundert kamen die ersten Iren nach Regensburg, im 19. Jahrhundert kehrten die schottischen Mönche zurück in die Heimat. Zeitzeugen aus Stein machen die Wirkungsstätten der „Scoti Peregrini“ lebendig. Das eindrucksvollste Exponat war der Ort der Ausstellung:

Gotteshaus und Kreuzgang der irischen und schottischen Mönche von St. Jakob. Die Ausstellung zeigte das Erbe der Forscher im Benediktinergewand. Wertvolle Schätze aus Schottland kehrten für knapp drei Monate heim an ihren Entstehungsort. Urkunden und Graphiken, Reliquiare und Gemälde, Instrumente aus dem physikalischen Klosterkabinett und mittelalterliche Wiegendrucke gestalteten ein Kaleidoskop der reichen Geschichte – vom ersten Pilger des 11. Jahrhunderts bis zur Kirche St. Jakob als Station des Jakobswegs im 21. Jahrhundert.

Scoti Peregrini - Irische Pilger
Sie gingen für Gott in die Welt, um bei sich einzukehren. Heimatlos Gott nahe sein – Der hl. Columban machte sich um 590 als erster irischer Pilger auf den Weg, um auf dem Festland ein asketisches Mönchsleben zu führen.
„Ziehe hinweg aus deinem Vaterlande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (Gen 12,1)
Das Bibelwort war das Leitmotiv für die Peregrini, die Pilger von der grünen Insel. Diesem folgte im 11. Jahrhundert auch der Ire Mercherdach. Er kam um 1040 nach Regensburg. Mercherdach ließ sich in eine Zelle bei der Stiftskirche Obermünster einmauern, um sich ganz dem religiösen Leben hinzugeben. Um 1070 machte sein Landsmann Marianus mit Begleitern auf der Wallfahrt nach Rom in Regensburg Halt. Sie blieben und gründeten ein Kloster. Die fremden Mönche nannten sich „Scoti“. So hießen die Bewohner Irlands bis zum Hochmittelalter. Die „Scoti Peregrini“ bauten nicht nur die prächtige Basilika St. Jakob vor den Toren Regensburgs. Sie errichteten von da aus Abteien unter anderem in Würzburg, Erfurt, Memmingen, Wien und auch im irischen Cashel – „Monasteria Scotorum“, die Schottenklöster.

Das Schottenkloster St. Jakob

Weih St. Peter hieß ein kleines Kirchlein vor dem Südtor Regensburgs. Hier siedelte die erste irische Mönchsgemeinschaft. Viele Legenden ranken sich um die Anfänge. Ein göttlicher Sonnenstrahl soll dem Pilger Marianus den Ort gewiesen haben. Die sogenannte Schottenlegende erzählt gar von Kaiser Karl dem Großen als Gründungsvater. Petrus selbst habe die kleine Kirche geweiht. Marianus und seine Begleiter, gerühmte Schreiber liturgischer Handschriften, wurden in Weih St. Peter begraben. Bald kamen so viele Pilger aus Irland nach Regensburg, dass ein größeres Kloster gebaut werden musste. Die Kirche wurde dem Pilgerpatron St. Jakob geweiht. Im 16. Jahrhundert übernahmen „echte“ Schotten die Abtei. Ninian Winzet, der Beichtvater der schottischen Königin Maria Stuart gewesen sein soll, wurde Abt in Regensburg. Das Kloster blühte unter seinem späteren Nachfolger Placidus Fleming weiter auf. Hier wurden Missionare ausgebildet, die Schottland den katholischen Glauben zurückbringen sollten. Mit der Säkularisation 1802/03 drohte die Aufhebung von St. Jakob. Abt Benedikt Arbuthnot kämpfte erfolgreich für sein Kloster. Doch der Nachwuchs aus der Heimat blieb aus. Am 2. September 1862 kam das Ende der irisch-schottischen Kultur in Regensburg.

Gelehrte Mönche

Nach Johann von Lamont, dem Erforscher des Erdmagnetfeldes, ist ein Mondkrater benannt. Den Philosophieprofessor Andreas Gordon machten seine funkensprühenden Physikexperimente in ganz Europa bekannt. Ildephons Kennedy führte in München öffentliche Vorlesungen ein. Benedikt Arbuthnot untersuchte das Gewitter als elektrisches Phänomen. Bernhard Stuart plante mit dem Schloß Leopoldskron einen der schönsten Rokokobauten Österreichs. Gallus Robertson prägte moderne pädagogische Ideen. Sie alle waren Söhne von St. Jakob, einem Zentrum der Bildung im 18. Jahrhundert. Über Jahrhunderte wuchs eine umfangreiche Bibliothek mit mehr als 25 000 Bänden, darunter prachtvolle Handschriften und wissenschaftliche Literatur. Auf einem Ochsenkarren verlud der letzte Mönch von St. Jakob, Anselm Robertson, den wertvollen Teil des Archivs und der Bibliothek, um sie für ein Nachfolgekloster in Fort Augustus am schottischen Loch Ness zu bewahren. 

Romanisches Meisterwerk
Die Kirche St. Jakob stammt in ihrer heutigen Form größtenteils aus der Zeit um 1150 bis 1200. Noch immer rätseln die Wissenschaftler über das reiche Figurenprogramm am berühmten Nordportal. Es gehört zu den großen Werken der deutschen Romanik. Das imposante Innere der dreischiffigen Basilika schmücken phantasievoll verzierte Kapitelle. Vom Kreuzgang des Klosters haben sich filigrane Säulen erhalten. Der heutige Kreuzgang liegt zum Teil auf den alten Grundmauern. Bereits die Römer siedelten an diesem Ort. Ausgrabungen im Garten des heutigen Priesterseminars legten Teile einer römischen Villa frei.

„Paradiesische“ Eindrücke sammelte der 25jährige Schotte James Fraser, als er bei seiner Europareise 1659 nach Regensburg kam...    [mehr]

Die Ausstellung erarbeiteten:
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg
Bischöfliche Zentralbibliothek Regensburg
Kunstsammlungen des Bistums Regensburg

Katalog
Der vierfarbige Begleitband (312 S., Verlag Schnell+Steiner,
ISBN 3-7954-1775-9) ist im Buchhandel für 25 € erhältlich.

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