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Hebt der Betrachter den Deckel der "SarkophagGefriertruhe", starrt ihn gleichsam sein verallgemeinertes Spiegelbild an. Der Blick fällt auf einen Eisblock, in dem das Organ eingeschlossen ist, das den Homo Sapiens zu seiner Selbstdeutung als "Krone der Schöpfung" verleitet: das Gehirn. Der Künstler reduziert es zeichenhaft auf die spiegelnde, glatte Fläche eines Bildes. Stillgelegt, erstarrt ruht die anatomische Zeichnung in der Gefriertruhe als ewig gleiches, vereistes Sinn- und Abbild seines unverfroren widersprüchlichen Wesens: Geist und Materie, Destruktivität und Kreativität, Erinnerung und Vergessen, Illusion und Aufklärung, Glaube und Wissen, Mitgefühl und Gleichgültigkeit, Dogma und Gedankenfreiheit, Tugend und Terror, Rohheit und Sensibilität, Anpassung und Widerstand, Täuschung und Fairness etc. So drängen sich Polaritäten, Dichotomien ohne Ende auf, in deren Untergrund obendrein ein ultimativer Wertungstopos rumort: Gut und Böse.

Das Gehirn ist das "Superorgan", das Metamedium, ein milliardenfach gestricktes Netz aus elektrochemisch verbundenen Neuronen, das sich zu begreifen sucht und sich trotz neurowissenschaftlicher Erkenntnisse über Funktionsweise und Anatomie im Spiegelkabinett seiner Ambivalenzen, Antagonismen, Ambiguitäten selbst verheddert. Es ist ja erkenntniskritisch eine wichtige Frage, wie es gehen soll, mit ein und demselben Denk- und Wahrnehmungsorgan auf die Ursachen und Grundlagen zu reflektieren, nach denen es (selbst) tickt und den Takt vorgibt. Daran knüpft Raoul Kaufer die Frage: Warum und in welchem von Paradoxien und Zweifeln freien Sinne sind Gläubige wie Ungläubige so sicher, dass sowohl die von Zeit und Raum unbeschwerte Ewigkeit göttlichen Wirkens als auch die Existenz Gottes außerhalb und jenseits des Evolutionsprozesses menschlicher Gehirne keine Frage ist?.

In seiner Unschärfe entzieht und eröffnet sich auf einem Großtransparent an der Wand die Bibelzeile: "Uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken, denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig." (2 Kor 4,18)

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Installation
2015

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