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Eröffnungsrede von Herrn Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner zur Eröffnung der Gedächtnisausstellung "Kirchenbaumeister aus der liturgischen Bewegung HANS BECKERS 1902 - 1984" am 27.12.2002 um 11 Uhr im Diözesanmuseum Obermünster

Der Liga-Kunstkalender 2002 mit dem Jahresthema "Kirchliche Kunst der 50er und 60er Jahre in Bayern, Sachsen, Württemberg und der Pfalz" widmete sein Dezemberblatt dem Regensburger Architekten Hans Beckers mit der Darstellung der Pfarrkirche St. Stephanus in Wackersdorf zum 100. Geburtstag.St.

Stephanus ist vor genau 50 Jahren durch Erzbischof Michael Buchberger eingeweiht worden und steht mit am Anfang des Kirchenbauschaffens von Hans Beckers, der über 30 Kirchen und Kirchenerweiterungen im ostbayerischen Raum errichten konnte. Als einer der einflußreichsten Architekten im Bistum Regensburg nach dem Zweiten Weltkrieg prägte ihn die enge Zusammenarbeit mit dem Kölner Kirchenbaumeister Dominikus Böhm als Bauleiter der St.-Wolfgangskirche in Regensburg-Kumpfmühl in den Jahren 1936-1939 entscheidend. Beckers war es dann auch, der die kriegszerstörte Kirche mit Pfarrhaus und die gegenüberliegende Gastwirtschaft Schmauskeller wieder aufbaute. Böhms architektonische Ideen und Entwürfe gingen in Beckers späteren Bauwerken auf und wurden weiter entwickelt. Wenn Böhm von seinen Schülern und Mitarbeitern behauptete, dass "bei mir ... einer freilich etwas (hat) können müssen, wenn er etwas von mir haben wollte, oder nach einer Korrektur verlangte", so gilt dies auch in ganz besonderer Weise für Hans Beckers.

Beckers Verwurzelung in der liturgischen Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts war das Fundament für seine späteren Kirchenbauten. Einem zweiten großen Kirchenarchitekten fühlte sich Beckers wesensverwandt, dem nur wenige Jahre älteren Rudolf Schwarz.

Auf Burg Rothenfels am Main, dem Zentrum des Jugendbundes Quickborn nach dem Ersten Weltkrieg, könnten sich die beiden in jungen Jahren begegnet sein. Der Ausspruch von Schwarz " Für den bauenden Menschen gibt es nichts Höheres, als den Raum zu errichten, in dem Gott und sein Volk ein Leib werden" kann auch auf Hans Beckers übertragen werden. Von Romano Guardini beeinflusst fand Beckers einen Baustil, der aus der klaren Sicht der Liturgie geprägt und aus deren Voraussetzungen gespeist wurde (W.Zahner im Katalog Beckers, S.8)."

Die Offenheit und Klarheit des Raumes,der aus und von der Liturgie feiernden Gemeinde lebt, tritt als architektonische Grundidee hervor und setzt damit das Diktum von der 'Liturgie als Bauherrin` um." (W.Zahner) Schon in Beckers Frühwerk, den Kirchenbauten in Erkersreuth bei Selb von 1950/51, Herz Jesu in Schwandorf von 1951 und der schon erwähnten St. Stephanuskirche in Wackersdorf aus dem Jahre 1952 stellt der Architekt die Idee des Einraumes, des Verbindenden zwischen Altar- und Gemeinderaum, in seinen Entwürfen heraus. Die Lichtführung, entweder Seitenlicht oder farbig gestaltetes Frontallicht, bestimmt der Versammlung Richtung und Ziel. Eine Besonderheit ist die Freistellung des Tabernakels in Erkersreuth in eine von beiden Seiten hell erleuchtete kleine Apsisnische.

In der zweiten Periode seines Kichenbauschaffens ragt die Kirche Auferstehung Christi in Pirk bei Weiden aus den Jahren 1962/64 heraus. Sie kann zweifellos als eines der bedeutendsten Bauwerke der Oberpfalz im Hinblick auf Architektur und Ausstattung in ihrer Zeit bezeichnet werden. Prof. Franz Nagel aus München schuf das gewaltige Auferstehungsbild mit dem Auferstandenen, jung und sieghaft, der einzige Farbfleck im Raum, wie Beckers 1980 selbst bemerkte. Die Bildhauerarbeiten der plastischen Wandgestaltung stammen von Leo Bäumler und die Goldschmiedearbeiten vom Kölner Künstler Prof. Egino Weinert. Beckers hatte sich immer um hervorragende und qualifizierte Künstler für die Ausgestaltung seiner Kirchenbauten bemüht.

Zum 100. Geburtstag von Hans Beckers am heutigen Johannistag kann ich eine Werkschau mit den wichtigsten Kirchenbauten Beckers im Diözesanmuseum Obermünster eröffnen. Die Konzeption und Zusammenstellung geht auf die Initiative der beiden Schwiegersöhne von Hans Beckers, der Herren Albrecht Busch aus München und Bernhard Coers aus Dillingen zurück. Ihrem unermüdlichen Engagement darf ich namens der Bistumsleitung herzlich danken, ebenso Architekt Christoph Beckers für die Einführung in das Werk seines Vaters.

Besonders ist aber den beiden Enkelsöhnen David und Philipp Beckers für die Produktion des reich bebilderten Katalogs zu danken, der über die Ausstellung hinaus ein bleibendes Zeugnis vom Schaffen des Kirchenbaumeisters Hans Beckers sein wird. Beckers bekannte 1969 als Preisträger des Kulturpreises der Oberpfalz in der Festschrift der OBAG, dass unsere neuen Kirchen nicht nur liturgisch funktionieren, sondern auch das Gemüt des Menschen ansprechen sollen; denn Gott, zu dem die Menschen flüchten, ist die Liebe.

Mit diesen Gedanken eines gläubigen Kirchenbaumeisters darf ich die Werkschau von Hans Beckers für eröffnet erklären.