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LICHTZEICHEN "Und die Erde steht nicht still"

Kunstprojekt von
Alois Öllinger und Dr. Ulrich Schreiber
Kompositionen an der Orgel: Roman Puck
Sprecher: Michael Heuberger

Samstag, 27. Juli 2002, 22 bis 23 Uhr
Dominikanerkirche St. Blasius - Regensburg

Veranstaltet von den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg und der Stadt Regensburg, Kulturreferat


22.00 Uhr

Roman Puck
kurzes Musikstück an der Orgel

Michael Heuberger
De caelo et mundo
Et de hoc quidem dicimus, quod figura terrae est sphaerica sive orbicularis necessario.
Und davon sagen wir freilich, dass die Gestalt der Erde notwendigerweise kugelförmig und rundlich ist."

Nur eine Kugel vermag, aus welcher Richtung auch immer die Beleuchtung kommt, auf den Mond einen vollkommen runden Schatten zu werfen.

Item, cum ad stellam hanc sol accedit, aestatem et ver facit, cum vero recedit, perficit autumnum et hiemem.
Schließlich noch eine Beobachtung: Bewegt sich die Sonne auf den Polarstern zu, macht sie Sommer und Frühling; entfernt sie sich davon, bewirkt sie Herbst und Winter.

Gegen die Bewohnbarkeit der anderen Erdhälfte spricht nicht die Tatsache, dass für die Menschen dort die Sterne auf der linken Seite aufgehen. Diese Linke betrifft nämlich nicht die dingliche Wirklichkeit, vielmehr nur die Stellung dessen, der die Sterne betrachtet. Am Himmel selbst ist die linke Seite immer ein und dieselbe, bisweilen ist sie entsprechend unserem Standort in unserem Osten.., Wird die linke Seite auf die Stellung des Beobachters bezogen, d. h. nur auf uns, so kann sie für uns rechts sein. Darum besagt der Einwand des Pythagoras, der die südliche Halbkugel für nicht bewohnbar erklärte, überhaupt nichts.
Et tunc ratio Pythagorae nulla est omnino

22.07 Uhr

Roman Puck
EXTENSION

22.14 Uhr

Michael Heuberger

Gab es den ersten Menschen?

"Igitur nullus hominum naturaliter in esse hominis ingressus est nisi per generationem."

"Kein Mensch ist je natürlicherweise anders als durch Zeugung zum wirklichen Menschsein gelangt.
Zeugung jedoch ereignet sich nicht ohne einen ganz bestimmten Zeugenden. Und zwar lebte dieser Zeugende irgendwann zu einer bestimmten Zeit, und darum ebenso jeder Mensch.
Im Unendlichen ist nun aber eine Einzelbestimmtheit nicht zu erreichen. Unendlich ist ja alles das, was kein Durchschreiten bis zu einem bestimmten Punkt zulässt.
Und darum ist dort, wo etwas im Koordinatensystem von Zeit und Raum festgelegt und genau umgrenzt ist, nicht ein Unendliches anzunehmen.
Vielmehr muss dort notwendigerweise ein Erstes eingesetzt werden. Wie Aristoteles sagte: Daher ist es echt wahrscheinlich, dass die ersten Einzelverwirklichungen des auf dem Weg der Zeugung Entstandenen durch die Idee des Gottes der Götter im Sein hervorgebracht worden sind."


Sed veritas sacrae Scripturae est supra principia rationis.

Biblische Wahrheit geht über die Denkgrundsätze hinaus.
Sie lässt sich nicht durch schlussfolgerndes Vorgehen aus den Gesetzen der Vernunft ableiten, sie leuchtet vielmehr durch ein in sich klares göttliches Licht auf.
Es ist eine Kraft, die das Gewissen erleuchtet und es zur freien Zustimmung hingeleitet. Deshalb teilt sich dieses Licht nur dem Forscher mit, der in frommer Haltung sich der Wahrheit Gottes zuwendet.

22.19 Uhr

Roman Puck
FUGA

22.27 Uhr

Michael Heuberger

Zum Einflussbereich der Bewegung des Himmels und der Sterne:

"Quaedam autem sunt quae dependentiam habent ad materiam et obligationem secundum quid, sed non simpliciter, sicut est animus hominis."

"Es gibt aber noch eine andere Wirklichkeit, die nicht einfachhin, sondern nur unter einen bestimmten Rücksicht vom Materiellen abhängt: das ist das ganze menschliche Gefühlsleben.
Von daher stammt der Sprachgebrauch, die Erhitzung des Blutes am Herzen mache den Menschen seelisch zum Zorn geneigt; und dennoch besteht kein Zwang, dass er zornig wird.
Wie nun das Seelische von der Materie und der körperlichen Mischung eine gewisse leicht umwandlungsfähige Hinneigung bekommt,
genauso hat auch die Gestirnung die Möglichkeit einer Einflussnahme auf das menschliche Seelenleben, also nicht unmittelbar und einfachhin, sondern nur unter einer bestimmten Rücksicht.
Andernfalls, wenn die Sterne einen direkten und damit zwingenden Einfluss auf das Seelenleben hätten, gäbe es keinen Zufall; es gäbe keine freie Willensentscheidung und kein suchendes Überlegen vor der Handlung."


"Quod absque dubio, ortus et adspectus stellarum magnum habent effectum in operibus naturae et artis. Sed tamen super nostrum liberum arbitrium non habent."

"Ohne Zweifel hat der Aufgang der Sterne und ihre Stellung zueinander und zur Erde einen starken Einfluss auf die Werke der Natur und des Menschen im handwerklichen Können und im Künstlertum, nicht jedoch auf den freien Willen."

22.34 Uhr

Roman Puck
PERPETUUM MOBILE

22.42 Uhr

Michael Heuberger

Über die Materie

"Quocirca propter hoc quod unius generatio est alterius corruptio, et e converso unius corruptio est alterius generatio, est generatio transmutatio quae numquam secundum naturam quiescit."

"Da also das Entstehen des einen Gebildes zugleich das Vergehen eines anderen ist, und umgekehrt der Untergang des einen der Hervorgang des anderen, ist der Vorgang des Werdens eine nie zum Stillstand kommende Veränderung."

"Et cum aeternum sit immutabile, patet, quod hyle non est aeterna, sed in temporalibus omnibus magis temporalis et prope nihil existens. "

"Ewiges ist in sich unveränderlich. Daraus erhellt, dass die Materie nicht ewig ist. Sie ist sogar noch mehr der Zeit unterworfen als alles, was in der Zeit existiert, und ist ganz in der Nähe des Nichts angesiedelt."

"Ex his et de necessitate sequitur intellectum hominis a tali natura animae quae organica est, esse possessum et adeptum a natura superiori."

"Je mehr nun der Mensch von der niederen Kraft, durch die er an seine Organe gebunden ist, sich löst, desto mehr erwirbt, erlangt und besitzt er seinen eigenen Verstand."

Über die Ethik und den Verstand

"In duplici facie acceptus intellectus necesse est, quod duos fines habeat : unum scilicet operationum, et alterum contemplationum. "

" Der Verstand mit seiner doppelten Blickrichtung muss ein zweifaches Ziel haben:
Tätigkeit nach außen und Beschauung als Seinserhellung. Das aus dem Wirken nach außen erwachsende Glück ist eine Entfaltung des Menschen und eine Läuterung der Triebe im Dienst der Lauterkeit des Verstandes, damit er in Freiheit tauglich wird zum Finden und Betrachten der Wahrheit. Damit steht fest, dass das im Gemeinschaftsleben erworbene Glück auf die Glückseligkeit der Beschauung als den höchsten aller Werte hingeordnet ist."


22.49 Uhr

Roman Puck : SUMMA