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Der Heilige ALBERTUS MAGNUS

"Albertus der gross genant auß schwaben land von der statt Lawingen an der Thonaw gelegen puertig prediger ordens ist diser zeit zu parys ob menigclichem der beruembst. der namhaftigst loeblichst lerer der kirchen. ein schein un ziere teueschs lands. vnd an heilligkeit des lebens vnd der lere also gross gewest das nymand vber ine noch ime zegleichen was."

Mit diesen Worten umreißt der deutsche Humanist Hartmann Schedel in seiner berühmten "Weltchronik" den besonderen Platz des hl. Albertus Magnus im historischen Bewusstsein des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Schedel erzählt weiter, dass Albertus Bischof von Regensburg wurde, aber aus Liebe zur Forschung das Bistum wieder verließ, um sich seinen Studien zu widmen, die außer der Philosophie und der "subtilen und verständlichen" Auslegung der Heiligen Schrift naturwissenschaftliche Werke umfassten. Mit Erbauungsbeispielen, die sich wieder in den volkstümlichen Albertitafeln des 18. und 19. Jahrhunderts finden werden, erläutert der Chronist, wie Albertus den Gläubigen die Betrachtung des Leidens Christi als Andachtsübung anschaulich lehrte. Spürbar distanziert dagegen, unter Verwendung des Vorsatzes "als man sagt", streift Schedel am Schluss seines Berichts Legenden, wonach Albertus in seinem Leben und nach seinem Tod "Wunderzeichen" geübt haben soll.

Bei den Letzteren handelt es sich um ein wucherndes Erzählgut, in dem ein "Meister Albert" Geister bezwingen, Menschen durch die Luft fliegen lassen, Schlangen beschwören, sommerliche Früchte und Blumen im tiefsten Winter hervorbringen, Zauberspiegel und -trinkbecher anfertigen konnte und viel mehr dergleichen. Die Legendenbildung hat schon bald nach dem Tod Alberts im Jahre 1280 eingesetzt, zu einer Zeit, die an fantastischer und unterhaltsamer Fabulierkunst besondere Freude hatte. Aber noch Ende des aufklärerischen 18. Jahrhunderts findet der deutsche Erzähler Musäus in seinen "Volksmärchen der Deutschen" Gefallen an der Sagengestalt des Meister Albert, der seine unheimliche Magie in der Geschichte der "Richilde" ausübt.

Die Überlieferung in Schrift- wie in Kunstzeugnissen ergibt ein komplexes, zunächst verwirrendes Bild. Einerseits die kuriose Legende von einer sprechfähigen Statue, die von Albert geschaffen und von seinem entsetzten Schüler Thomas von Aquin als frevelhaftes Machwerk zerschlagen wurde; andererseits die Erhabenheit der Begegnung im Sonnehimmel in Dantes "Divina Commedia", wo Thomas von Aquin dem Dichter die großen Weisen der Geschichte vorstellt, darunter, ihm am nächsten, seinen "Bruder und Meister, Albert von Köln" (Paradiso, Canto X). Einerseits die bunten, volksnahen Bildchen der Albertitafeln mit ihren vergnüglichen Details aus dem Alltagsleben; andererseits die strenge Feierlichkeit von Albrecht Dürers Darstellung der thronenden "Philosophie" für den Dichter und Humanisten Conrad Celtis, wo Albertus als Vertreter Deutschlands gleichrangig neben den antiken Weisen Ptolomäus aus Ägypten, Platon aus Griechenland, und Cicero und Vergil aus Rom erscheint. Wer ist die Persönlichkeit, die hinter dieser so facettenreichen Überlieferung zu suchen wäre?

Schon seinen Zeitgenossen galt Albert der Große als Ausnahmeerscheinung. Sein Schüler, der Theologe und Philosoph Ulrich von Straßburg, nannte ihn "des Zeitalters Staunen und Weltwunder". Die mannigfaltigen Aufgaben, die man ihm überantwortete - Lehrtätigkeit, Forschung, Ordens- und Diözesanverwaltung, Kreuzzugspredigt, Vermittlung bei politischen Entscheidungen und Streitfragen - zeugen von seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, sich auf oft gegensätzliche Problembereiche unerschrocken und tatkräftig einzustellen.

Während Alberts Geburtsort, Lauingen an der Donau, bekannt ist, bleibt das Geburtsjahr unklar. Im allgemeinen wird ein Datum um 1200 angenommen. 1223 - oder, nach einer anderen Quelle, 1229 - trat er in den Dominikanerorden ein. Nach einem Aufenthalt in Oberitalien wurde er in das Dominikanerkloster in Köln aufgenommen. Ab 1234 lehrte er in den Ordenhäusern in Hildesheim, Freiburg im Br., Regensburg und Straßburg. Berufen um 1242 nach Paris, dem damaligen Zentrum intellektuellen Lebens, wirkte er dort von 1245 bis 1248 als Professor an der renommierten Universität. Nach 1248 sollte Köln der zentrale Wirkungsort Alberts werden. Im Haus der Dominikaner etablierte er ein angesehenes Studieninstitut, in sein Kloster kehrte er immer wieder zurück von den vielen Reisen, die er im Auftrag seines Ordens sowie auch der Päpste Alexander IV. und Urban IV. unternahm. So war er viel unterwegs, u.a. als Prior der Deutschen Ordensprovinz, als Kreuzzugsprediger, als Fürsprecher der Bettelorden bei der päpstlichen Kurie, und hochbetagt, nur drei Jahre vor seinem Tod, als Verteidiger der Lehre des Thomas von Aquin nochmals an der Universität von Paris. Schon die Vielfalt dieser Unternehmen bescheinigen seine geistige Beweglichkeit und die unbändige Energie, die es ihm ermöglichte, verschiedene Arbeiten gleichzeitig zu bewältigen. So war er imstande, die oft beschwerliche Reisetätigkeit - zu Fuß, wie es die Regel seines Ordens verlangte - auch für eigene Forschungsvorhaben zu verwerten. Nur auf diese Weise ist das Zustandekommen seines voluminösen Schriftwerkes inmitten seiner anderen Tätigkeiten denkbar.

Sein Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen, sowie seine unparteiliche Rechtssprechung hatte Albert zu einer hoch angesehenen Figur des öffentlichen Lebens gemacht. Auf ihn fiel dann 1260 die Wahl des Papstes für das Bischofsamt in Regensburg. Gegen den Willen seines Ordensgenerals, des sel. Humbert von Romans, übernahm Albert das Amt und damit die schwierige Aufgabe, Ordnung in die zerrütteten Verhältnisse des in dieser Zeit gefährdeten Bistums zu bringen. In seinem nur zwei Jahre währenden Episkopat gelang es ihm, die beträchtliche Schuldenlast der Diözese abzutragen und die geistliche Disziplin wiederherzustellen. Nachdem ein würdiger Nachfolger, Leo der Tundorfer, gefunden werden konnte, verzichtete Albert freiwillig auf das Bischofsamt und kehrte zum Ordensleben zurück. Auch im Amt hatte er an seiner gewohnten Schlichtheit als Dominikaner beharrlich festgehalten, was ihm beim Volk den Spitznamen "Bundschuh" eintrug.

Über die Gründe für Alberts Annahme des Amts, von dem er dann so bald wieder zurücktrat, ist viel spekuliert worden. Offensichtlich hat ihn nicht das Repräsentative interessiert, sondern vielmehr die unverlierbare Autorität durch die Bischofsweihe. Als Bischof gewann er eine nahezu unantastbare Stellung, die ihm die nötige Freiheit für seine weitgespannte Forschungstätigkeit einbrachte.

Das wissenschaftliche Vermächtnis vom heiligen Kirchenlehrer Albertus, dem doctor universalis, umfasst drei Hauptgebiete: Philosophie, Theologie und Naturwissenschaft. Seine Bedeutung liegt zunächst in seiner Leistung als Vermittler, der die Rezeption des Aristoteles zum Durchbruch verholfen und auch entscheidend bei der Verbreitung der Werke jüdischer und arabischer Autoren mitgewirkt hat, obwohl die Kirche diesen nichtchristlichen Denkern noch ablehnend gegenüberstand. In seinen Arbeiten tritt sein umfassendes Wissen über die Strömungen seiner Zeit zutage, gestärkt durch sein waches, kritisches Urteilsvermögen. Er steht den Überlieferungen prüfend gegenüber, durchsetzt sie mit umfangreichen Kommentaren und arbeitet seine eigenen Forschungen ein. Charakteristisch für seine Grundhaltung ist die Forderung: "Wir müssen jedes Ding danach untersuchen, wie es sich in seiner eigentümlichen Natur verhält" (De causis et proprietatibus elementorum 1.2.9.). Albert betont die Notwendigkeit selbständiger Beobachtung und eigener Experimente als Voraussetzung für exakte Erkenntnisse - eine Auffassung, die der heutigen Wissenschaft als Gemeinplatz erscheinen mag, die aber in der damaligen Zeit keineswegs auf allgemeine Zustimmung stieß. Misstrauen - auch innerhalb seines Ordens - erweckten vor allem seine naturwissenschaftlichen Forschungen, deren Umfang auch noch heute erstaunt: Physik, Chemie, Mineralogie, Meteorologie, Astronomie, Botanik, Biologie, Zoologie, Medizin, Psychologie und Anthropologie. Aus diesem Misstrauen erwuchsen dann die unbehaglichen Legenden, die den Naturforscher zum Zauberer verdunkeln. Noch Mitte des 16. Jahrhunderts versucht Walter Ryff im Vorwort zu seiner deutschen Übersetzung von Alberts zoologischem Werk "De animalibus" das Zerrbild zu korrigieren: "Albertus Magnus ... in allen natuerlichen kuensten ein fuertreflicher Philosophus (nit eyn Zauberer oder Schwartzkuenster wie ihm faelschlich zu gemessen wirdt)".

Auf den Gebieten der Botanik und Zoologie konnte Albert eine Fülle eigener Beobachtungen verwerten, die er auf seinen ausgedehnten Fußreisen machte. Oft schildert er Tier- und Pflanzenformen mit genauen Angaben der Orte, wo sie gefunden wurden. Seine Benennung der Lokalnamen einiger Tiere und Gewächse liefert wertvolle sprachwissenschaftliche Hinweise, seine Angaben über Tierkrankheiten, populäre Heilmittel und Arzneien vermitteln einen Abriss volksmedizinischer Praktiken. Viel zitiert wurde seine praktische Anleitung zum Anlegen eines schönen Lustgartens mit Rasenbank, steinernen Brunnen, allerlei bunten Blumen, duftenden und medizinisch nutzbaren Kräutern, und aromatischen, schattenspendenden Bäumen.

Die große Anzahl seiner theologischen Schriften weist darauf hin, dass Albert in erster Linie Theologe war. Doch wurde er später von seinem bedeutendsten Schüler, dem hl. Thomas von Aquin, überschattet. Das freundschaftliche Verhältnis beider Gelehrten sagt viel über Alberts Qualitäten als Lehrer. Albert sorgte sich um Thomas' Studiengang, führte ihn persönlich in das Lehramt ein und setzte später seine Berufung an den Dominikaner-Lehrstuhl der Universität von Paris durch. Eine frühe Zusammenfassung der Traditionen über den Studienaufenthalt des hl. Thomas von Aquin bei den Dominikanern in Köln enthält eine Geschichte, die Alberts Scharfsinnigkeit und neidlose Anerkennung bezeugt: Thomas wurde von seinen Mitschülern wegen seiner Schweigsamkeit und seines massigen Körperbaus der "stumme Ochse" genannt. Als der Spitzname dem Lehrmeister Albert zu Ohren kam, wies dieser die Spötter mit einer Prophezeiung zurecht: "Ihr nennt ihn den ‚stummen Ochsen'. Ich aber sage euch, das Brüllen dieses stummen Ochsens wird so laut werden, dass es die ganze Welt erfüllt".

Albert der Große wurde im Jahre 1931 heilig gesprochen und 1941 zum Schutzpatron der Naturwissenschaftler proklamiert.

Bild rechts unten: Albertus Magnus als Lektor und Thomas von Aquin als sein Bakkalaureus, Kupferstich, 1610, von Willem Swanenburg nach einer Vorlage von Otto van Veen, Kunstsammlungen des Bistums Regensburg