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Otmar Oliva - Der Zauber des Lichts

Sakrales Schaffen stellte in den böhmischen Ländern für lange Jahre ein Tabu dar. Die Arbeit progressiver Künstler für den liturgischen Raum war, neben dem traditionellen Misstrauen von Seiten der Gläubigen selbst, mit repressiven Maßnahmen von Seiten der politischen Macht, im Sinne der herrschenden Ideologie, verbunden. Den Olmützer Bildhauer Otmar Oliva, Sohn eines tschechischen Wiederstandskämpfers, wurde geprägt von seiner Zeit im Gefängnis. Für die Verteilung von Materialien der Charta 77 war er während des Militärdienstes zu 20 Monaten Haft verurteilt worden. Kunst war für ihn auch in dieser Zeit sein Weg, mit schöpferischen Gedanken Enge und Eingeschlossenheit zu überwinden. In dieser Zeit entstanden die ersten Skizzen zu der Skulptur Johannes des Täufers, die er schließlich 1984 umsetzte. Oliva verstand den Heiligen als asketischen Propheten, seine Darstellung ist in ihrer schlichten Mitteilsamkeit eine der besten Skulpturen des Künstlers.

Die Erlebnisse im Gefängnis und die Erfahrung mit menschlichen Charakteren projizieren sich beinahe in das gesamte freie Schaffen der 80er und des Beginns der 90er Jahre. Oliva entwirft neuzeitliche Moralitäten. Daneben steht seine Faszination für die Arbeit mit Licht, mit der Struktur der Oberflächen und mit dekorativen Elementen und Symbolen. Sie wird vor allem spürbar in seinen Arbeiten zur Gestaltung von Kirchenräumen. So schuf er unter anderem den Papstthron, den Ambo und den Opfertisch für die Papstkapelle "Redemptoris Mater" im Vatikan ( vollendet 2000 ). Zahlreiche Reliquiare und Monstranzen tragen seine unverwechselbare künstlerische Handschrift. Ihren zentralen bronzenen Korpus ergänzte er häufig durch - nach der Art mittelalterlicher Goldschmiede in größeren Klumpen applizierte - farbige Glasmasse. Das Ergebniss ist ein wirkungsvolles Objekt, das auch für Sammlungen angewandter Kunst gesucht wird. Aber erst in der feierlichen Liturgie findet es in seiner Ausstrahlung adäquate Anwendung: Auf seinen glatten und konvexen Flächen spielt der Wiederschein der Lichtstrahlen und macht ihre metaphysische Bedeutung dem Betenden spürbar.

Wurzelnd auch in der mittelalterlichen Ikonographischen Tradition sieht Oliva das Kreuz als Baum des Lebens. Über Olivas Kreuze schrieb der Theologe Dr. Thomas Spidlik: "Im christlichen Wortschatz hat der Tod und alle seine Ableger die Bezeichnung KREUZ. Das ist das Thema zu dem Olivas Kunst immer wieder zurückkehrt.. Seine Kreuze sind aus Metall, sie sind schwer, wie es sein Leben war. Aber in diesem Metall erscheinen sie als KREUZESHOLZ. Sie beschneiden es von allen Seiten, aber auf allen Seiten zeigt es die Dynamik des Lebens. Es ist uns, als sollte jeden Augenblick aus diesem Holz ein Blatt sprießen und bald auch eine Blüte. Das Werkzeug des Todes ist zum Baum des Lebens geworden. Der Künstler liebt es, weil man es behaut und begrenzt , es aber das Symbol unvergänlichen Lebens bleibt."
Otmar Oliva gehört bereits unbestritten zu den markanten Persönlichkeiten des modernen Kunstgeschehens in Tschechien, der in seinem Wert voll schöpferischer Kraft mit der Vielfalt seines Ausdrucks Gott und den Menschen zusammenführt.

Ausstellungsstücke:
Monstranz
Reliquiar der hl. Agnes von Böhmen
Glocke I, II, III und 4, 1996, Bronze
Mährisch - slowakische Kreuzstudien ( Kyrill - Methodsches Kreuz u.a.)
Kreuz 1998, Bronze
Pilgerkreuz, Bronze
Kleine Leuchter
Bischofstab, 1998, Bronze und Holz