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Radek Broz - Das Geheimnis des Spiels

Radek Broz, 1967 geboren, blieben nur wenige Jahre auf seinem künstlerischen Weg. Aber er hat Spuren hinterlassen bei allen, die ihm und seinem Werk begegnet sind. Bereits während seines Studiums an der Karluniversität Prag gründete er gemeinsam mit Roman Dvorak, Roman Trabura und Jan Va eine Gruppe, die unter dem Namen Pilky (Kleine Sägen) 1988 ihre erste Ausstellung in der Prager Galerie v Karlov ulici (Galerie in der Karlsgasse) verwirklichte. Ihre Motivation war das gemeinsame Streben einiger Angehöriger der gleichen Generation, im zeitgenössischen künstlerischen Geschehen einen eigenen Platz zu finden und in ihm einen eigenen Weg abzustecken. Radek Broz stellte sich mit grotesken Sujets vor. Das Interesse an der Pop-art inspirierte ihn zu einigen Gemälden, die Andy Warhol gewidmet waren. Die Distanz zum Inhalt der Pop-art-Künstler, konnte ihn jedoch auf Dauer nicht befriedigen. Er übernahm von ihnen lediglich die Art, mit non-artifiziellen Motiven zu arbeiten.

Zur Quelle wurde ihm auch sein Gespür für die Volkskultur, die die mitteleuropäische barocke Tradition überliefert hatte. Die Unmittelbarkeit des volkstümlichen Ausdrucks von devotionalen Bildern nutzte Radek Broz in einer Reihe von Kompositionen. Die Fläche der Leinwand löste er später durch flächiges Dekor, das er mit Hilfe von Musterwalzen auftrug. Er selbst sagte über diese Arbeiten: "Keim der Gemälde war das Heiligenbildchen, das sozusagen in die Mitte der Leinwand platziert wurde. Von diesem aus entwickelt sich das Geschehen. Die Musterrolle ist nicht Selbstzweck, sie vollendet die Atmosphäre des Werks, ist Fortsetzung des zentralen Motivs. ... Ich möchte, dass das Bild nicht endet, dass es sich weiter ausbreitet, dass es die Tendenz hat, in den Raum zu zielen. Deshalb rahme ich die Gemälde nicht. Meinetwegen könnte sich das Bild bis ins Unendliche ausbreiten."

Radek Broz schafft mit seinen Ornamenten um die volkstümlichen Graphiken mit sakralen Szenen ein energetisches Feld und lockt den Betrachter ins Unendliche. In dieser Wiederentdeckung volkstümlicher Motive gestaltete er auch Mariendarstellungen zu neuen Formen. Radek Broz benutzte die klassischen ikonographischen Schemata, häufig gerade auch in den künstlerisch abgesunkenen Formen, und erhöhte sie durch eigene Kompositionen. In einigen Bildern verwendete er mehrfach ein vergrößertes Detail des Kopfes der Jungfrau Maria. Das Bild wirkt so durch seinen Rhythmus, der an die meditative gleichmäßige Wiederkehr der Rosenkranzgebete erinnert.

Seine Kreativität gab sich nicht mehr mit der Arbeit in zwei Dimensionen zufrieden. Vom Jahr 1991 an begann er auch Objekte zu gestalten. In ausgedienten Gegenständen als stummen Zeugen privater Geschichten und intimer Begebenheiten reizte ihn die abenteuerliche Begegnung mit deren anonymen einstigen Benutzern. Diese gefundenen und schließlich in eine endgültige Form gebrachten Objekte wurden durch ihre unauffällige Sakralität zu Reliquiaren von Broz persönlicher Religiosität.

Das Schaffen selbst war für ihn Erlebnis. Es war für ihn nicht alles, aber es war für ihn der Weg zu allem. So gehörte seine künstlerische Liebe besonders der Monotypie, die entsteht und keine Reparatur zulässt. Es ist ein eigentümlicher Prozess, das Geheimnis des Spiels, das Abenteuer der Erkenntnis im Raum des Schaffens, der uns, wie Radek Broz als sein künstlerisches Vermächtnis hinterließ, sofern er nicht Chaos und Aufruhr ist, sondern Suchen und Erfüllung, zu Worten des Staunens, der Bewunderung für etwas führt, das über uns hinausreicht.

Ausstellungsstücke:
Hl. Franziskus, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Reise nach Ägypten, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Fröhliches Gebet, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Karfreitag, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Kreuz, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Eucharistie, 1989-91, kombinierte Technik, Leinwand
Kruzifix, 1995, Öl, Leinwand
Maria (Album), 1990, Monotypie, Papier
Cor – Crux (Album), 1990, Monotypie, Papier
Botschaften (Album), 1996, Monotypie, Papier
In Gestalt eines Kreuzes I – VII, 1993, Monotypie, Papier
Schleier I – VII, 1993, Monotypie, Papier
Gesicht I – VII, 1994-95, Monotypie, Papier
Haus (Objekt), 1992, Holz
Tor (Objekt), 1992, Holz
Arche (Objekt), 1992, Holz
Ornat, 1994-95, Kombinierte Technik, Stoff, Holz, Metall
Reliquiar (Objekt), 1994, Kombinierte Technik, Papier



Katalog zur Ausstellung (im Museums-Shop unter Museumspublikationen Nummer 25)