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Ausstellung vom 11. März bis 16. Mai 2004
Museum Obermünster

Roma in Europa Fotografien von Rolf Bauerdick


Über einen Zeitraum von zwölf Jahren (von 1991 bis 2003) hat Rolf Bauerdick an einer umfassenden Text- und Fotodokumentation über das Leben der Roma in Europa gearbeitet - in Deutschland, Albanien, Makedonien, Kosovo, Ungarn, Tschechien, Slowakische Republik, Rumänien, Bulgarien, Frankreich, Spanien und Portugal. Dabei entstanden rund 15.000 Fotografien, kraftvolle und lebenspralle Bilder, die von großer Sympathie und menschlicher Anteilnahme für das Schicksal der Zigeuner zeugen.

Ungeschminkt und drastisch führt Bauerdick nicht nur die katastrophalen Lebensbedingungen der Roma vor Augen, er erzählt auch von Sehnsüchten und Träumen und dem geheimnisvollen Zauber, der dieses Volk seit alters her umgibt. Ob in den tristen Ghettos der rumänischen Kalderasch, in den Kneipen der ungarischen Olah, ob bei den Wallfahrten der französischen Gitans oder den Fiestas der spanischen Kale, stets sprechen Bauerdicks Fotos von der Würde und dem Stolz von Menschen, die in Europa oft nur an den Randzonen der Gesellschaft geduldet werden.

 

Das Leben der rund acht Millionen europäischen Roma hat vor allem in den Ost- und südosteuropäischen Ländern in der postsozialistischen Zeit eine dramatische Zuspitzung erfahren. Trotz unverkennbarer Demokratisierungsprozesse sind die Roma in vielen Ländern von der wirtschaftlichen Entwicklung weitgehend ausgeschlossen. Ob in der ungarischen Theißebene, in den Dörfern im Osten der Slowakei, in Rumänien und Bulgarien, ob in der größten Roma-Siedlung im makedonischen Shutka aber auch in den Vorstädten von Madrid, oft erreicht die Arbeitslosenquote mehr als 90 Prozent.
Bei seinen Reisen zu über Hundert Roma-Siedlungen wurde offenkundig, dass die Integration der ethnischen Minderheit der Roma viele Länder vor extreme Schwierigkeiten stellt. Die sozialen und finanziellen Folgen der Massenarbeitslosigkeit stellen eine große Herausforderung dar ebenso wie die politische Diskriminierung und der kulturelle Rassismus. Ein eklatantes Beispiel sozialer Verelendung: in der rumänischen Grenzstadt Oradea leben Dutzende von kinderreichen Familien auf der städtischen Müllkippe. Hier ist Armut weit mehr als der Verlust von Arbeit und Wohnung sowie der Mangel an Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Bildungsmöglichkeiten für die Kinder. Hier bedeutet Armut den Verlust jeglicher Hoffnung auf eine Lebensperspektive.

Der Migrationswunsch der Roma, vorzugsweise in ein EU-Land, ist in den südosteuropäischen Ländern sehr stark verbreitet. Oft werden die Roma auch gewaltsam aus ihrer angestammten Heimat vertrieben, wie zuletzt im Kosovo. Dort flohen nach dem Krieg 1999 rund achtzig Prozent der Roma nach Serbien und Montenegro. Die Verbliebenen leben noch immer in großer Angst vor Pogromen und nationalistischen Ausschreitungen.
Bauerdicks Fotografien bekunden eine tiefe Sympathie und Anteilnahme für das Schicksal eines Volkes, dass oft nur an den Randzonen der Gesellschaft geduldet wird. Einseitige Schuldzuweisungen an die Nicht-Roma in den jeweiligen Ländern jedoch sind kaum hilfreich. Denn der oft fremdartige Lebensstil der Roma widerspricht bisweilen bürgerlichen Lebensvorstellungen und fördert die Ausgrenzung statt sie gemeinsam zu beenden. Zu einer gelungenen Integration der Roma, die die kulturellen Traditionen und Wurzeln der Menschen nicht zerstören will, bedarf es daher eines Willens zum gegenseitigen Verstehen.

Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, wohnhaft im westfälischen Hiddingsel, studierte Literaturwissenschaft und Theologie in Münster und unterrichtete einige Jahre als Lehrer im Ruhrgebiet, bevor er sich Mitte der achtziger Jahre dem Journalismus zuwandte. Heute schreibt und fotografiert er freiberuflich für Magazine im In- und Ausland. Seine Text- und Bildreportagen erschienen im Stern, National-Geo, Natur, Brigitte, El pais, Capital oder dem Spiegel.
   
Pressestimmen zu den Fotos "Roma in Europa"

"Dass trotz der Not Bauerdicks Bilder faszinieren, liegt an den intimen und raren Einblicken, die Misstrauen überwinden helfen."
(Münchener Merkur)

"Zehn Jahre lang hat Rolf Bauerdick Roma-Familien begleitet - beeindruckende Dokumente ihrer oft katastrophalen Lebensbedingungen, aber auch ihrer Träume, ihrer Würde und ihres Stolzes."
(SZ, München)

"Bauerdick zeigt die Zigeuner nicht klischeehaft oder poetisch überhöht, sondern realistisch. Eine Annäherung voller Sympathie. An Menschen, die in ihrer Armut nie armselig wirken, sondern Lebensfreude, Mut und ihre Würde verteidigen. Und keineswegs ihr letztes Geheimnis preisgeben."
(Schwäbische Zeitung)

"Seine Fotos erzählen Geschichten, ungeschminkt. Sie erzeugen das Gefühl menschlicher Wärme."
(Westfälische Nachrichten)

"In Bauerdicks Fotografien können wir lesen, dass er den Menschen auf gleicher Ebene begegnet, uns Geschichten von ihnen und über sie erzählt, uns teilhaben lässt an ihrem Schicksal."
(Dieter Hinrichs, Deutsche Gesellschaft für Fotografie)